
1. Starke Argumente für eine Neubewertung
Gold gilt seit langem als Wertspeicher und Absicherung in turbulenten Zeiten. Dennoch spielt es in den meisten institutionellen und privaten Vermögensportfolios nur eine untergeordnete Rolle. Allokationen von mehr als fünf Prozent sind nach wie vor selten. Das ist überraschend, wenn man sowohl die langfristigen Performance-Eigenschaften als auch das jüngste Verhalten von Gold in einem volatilen makroökonomischen Umfeld betrachtet.
Im Jahr 2022 erlitten traditionelle Portfolios breit angelegte Verluste. Aktien und Anleihen verzeichneten in vielen Märkten zweistellige Rückgänge und untergruben den traditionellen Diversifikationseffekt eines 60/40-Portfolios. Gold hingegen erwies sich als bemerkenswert widerstandsfähig. Während es in US-Dollar einen leichten Rückgang verzeichnete, erzielte es in Euro und Schweizer Franken eine gleichbleibende bis leicht positive Rendite. Einmal mehr stellte Gold seinen Wert als Stabilisator in Multi-Asset-Portfolios unter Beweis.
Dieser Artikel erläutert die fundamentalen Treiber für Gold, zeigt Argumente auf, warum sein langfristiger Investment-Case intakt ist und untersucht seine spezifische Rolle in USD-, EUR- und CHF-basierten Portfolios.
Gold ist nicht bloss eine Absicherung, sondern eine strategische Anlageklasse mit einzigartigen Diversifizierungsvorteilen.
Strukturelle makroökonomische Veränderungen wie hohe Verschuldung, niedrige Realzinsen und geopolitische Fragmentierung sprechen für ein langfristiges Goldengagement.
Historische Daten (1990–2025) zeigen, dass Gold die Renditen verbessert, die Volatilität verringert und die Wertverluste in CHF-, EUR- und USD-Portfolios reduziert hat.
Optimale Allokation: Die Höhe hängt von Referenzwährung, Risikoprofil und Anlageziel ab. In allen Fällen zeigt sich ein klarer Nutzen einer Goldbeimischung.
Angesichts der nachlassenden Diversifikationseffekte von Anleihen sollte Gold als Kernkomponente des Portfolios und nicht als periphere Absicherung betrachtet werden.
2. Strukturelle Goldtreiber
Das langfristige Verhalten von Gold wird von makroökonomischen Fundamentaldaten geprägt, nicht rein von der Marktstimmung. Im aktuellen globalen Umfeld kommen mehrere starke Kräfte zusammen, die ein günstiges Umfeld für Gold schaffen. Dazu gehören die zunehmende Dominanz der Fiskalpolitik, strukturell niedrige Realzinsen, anhaltende Inflationsrisiken, eine wiederauflebende Nachfrage seitens der Zentralbanken, Angebotsengpässe und eine zunehmende geopolitische Fragmentierung. Diese Treiber sind nicht zyklisch. Sie repräsentieren dauerhafte Veränderungen, die die strategische Rolle von Gold in diversifizierten Portfolios stützen.

2.1 Fiskalische Expansion und Realzinssätze
In den letzten zwei Jahrzehnten ist die Staatsverschuldung in den Industrieländern stark angestiegen. Von der globalen Finanzkrise angetrieben und durch die COVID-19-Pandemie fortgesetzt, haben sich die Haushaltsdefizite weiter verfestigt. Langfristige strukturelle Faktoren, von der demografischen Entwicklung, bis hin zur Verteidigungs- und Klimapolitik, üben Druck auf die Ausgaben aus. Sie lassen darauf schliessen, dass die Schuldenquoten auf absehbare Zeit erhöht bleiben werden.

Gleichzeitig sind die Möglichkeiten der Zentralbanken begrenzt, die Zinsen anzuheben, ohne finanzielle Instabilität auszulösen. Das Ergebnis ist ein politisches Umfeld, in dem die Nominalzinsen zwar hoch scheinen mögen, die Realzinsen jedoch über lange Zeiträume hinweg niedrig oder sogar negativ bleiben. Dies ist keine vorübergehende Anomalie, sondern eine bewusste politische Entscheidung vor dem Hintergrund hoher Verschuldungsniveaus und finanzieller Repression. Mit steigenden öffentlichen Schuldenquoten wächst aber das Risiko, dass die Zentralbanken unter politischen Druck geraten, die Schuldentragfähigkeit der Preisstabilität vorzuziehen. Die Grenze zwischen Geld- und Fiskalpolitik verschwimmt, mit zunehmenden Anreizen, die Nominalzinsen künstlich niedrig zu halten und öffentliche Defizite direkt oder indirekt durch Geldschöpfung zu finanzieren. Die aktuelle Situation in den Vereinigten Staaten lässt diese Dynamik bereits erkennen: Hohe Schuldenniveaus drohen die praktische Unabhängigkeit der Zentralbank zu untergraben.
In solchen Szenarien hat sich Gold historisch gesehen gut entwickelt. Als nicht verzinsliches Anlageinstrument wird es im Verhältnis attraktiver, wenn die Realrenditen von Anleihen und Bargeld tief sind. In den 1970er-Jahren, in den Jahren nach der globalen Finanzkrise und in der Zeit nach der Pandemie hat Gold während längerer Phasen negativer Realzinsen deutlich an Wert gewonnen. Diese Beziehung bleibt ein zentraler Bestandteil des langfristigen Gold-Investment-Case.
Im Gegensatz zu Staatsanleihen ist Gold keine finanzielle Forderung und birgt kein Kredit- oder Gegenparteirisiko. Da es keine Verbindlichkeit eines Staates oder einer Institution ist, bleibt es strukturell von finanziellen Repressionsmassnahmen wie Zinsobergrenzen, obligatorischen Anleihebeständen oder negativen Realrenditen ausgenommen, die darauf abzielen, Ressourcen vom privaten in den öffentlichen Sektor zu transferieren. Anders als Staatsschulden, kann Gold weder inflationär entwertet noch zurückgezahlt noch politisch angegriffen werden. Dies macht es in einem politischen Umfeld, in dem Inflationsrisiken und die Belastung durch öffentliche Schulden bestehen bleiben, einzigartig widerstandsfähig. Darüber hinaus ist Gold in physischer Form schwieriger zu konfiszieren als herkömmliche Finanzanlagen und bietet somit einen zusätzlichen Schutz in extremen oder politisch instabilen Szenarien.
2.2 Inflationsrisiko und monetäre Glaubwürdigkeit
Inflation ist ein wiederkehrendes Phänomen von Wirtschaftssystemen und keine temporäre Anomalie. Während Inflationsursachen und -geschwindigkeit im Laufe der Zeit variieren, üben strukturelle Faktoren wie angespannte Arbeitsmärkte, demografische Veränderungen und geopolitische Fragmentierung weiterhin einen Aufwärtsdruck auf die Preise aus. Phasen der Preisstabilität können schnell einer Inflationsvolatilität weichen, insbesondere wenn das Vertrauen in die Geldpolitik abnimmt oder globale Produktionsnetzwerke gestört werden.

Gold spielt in diesem Kontext eine strategische Rolle. Im Gegensatz zu nominalen Vermögenswerten ist es nicht von der Zahlungsfähigkeit von Regierungen oder der Glaubwürdigkeit von Zentralbanken abhängig. Zwar bietet es keine Rendite, dafür aber Resilienz, indem es Wert erhält, wenn die Inflation überraschend steigt oder das Vertrauen in geldpolitische Institutionen schwindet.
Dies hat sich in mehreren historischen Episoden gezeigt:
Die 1970er-Jahre: Ein Jahrzehnt, das von Ölschocks, Lohn-Preis-Spiralen und dem Verlust der Glaubwürdigkeit der Zentralbanken geprägt war. Der Goldpreis stieg von etwa 35 Dollar pro Unze zu Beginn des Jahrzehnts auf über 600 Dollar im Jahr 1980 an und sicherte so den realen Wohlstand während einer langen Phase der Stagflation.
Die globale Finanzkrise (2008–2011): Als das Vertrauen in die Finanzinstitute schwand und die Zentralbanken ihre Bilanzen ausweiteten, übertraf Gold traditionelle Vermögenswerte und stieg von unter 800 Dollar auf über 1'800 Dollar pro Unze an.
Der COVID-19-Schock (2020): Angesichts extremer geld- und fiskalpolitischer Stimulierungsmassnahmen erwies sich Gold erneut als Wertanlage und erreichte neue Höchststände von über 2'000 US-Dollar, da Investorinnen und Investoren die langfristigen Auswirkungen der massiven globalen Liquiditätsspritzen in Frage stellten.
In jüngerer Zeit haben geopolitische Instabilitäten wie der Ukrainekrieg die Rolle von Gold als Absicherung in unsicheren Zeiten bekräftigt, in denen Inflation und Finanzmarktvolatilität schnell und unvorhersehbar zurückkehren können.
Gold ist keine präzise Absicherung gegen kurzfristige Veränderungen der Verbraucherpreisinflation, sondern vielmehr eine langfristige Absicherung gegen Währungsumstellungen, wenn die Inflation volatiler wird und die Glaubwürdigkeit von Fiatgeldsystemen in Frage gestellt wird.
Diese Eigenschaften machen Gold für langfristige Anlegerinnen und Anleger zu einem strategischen Bestandteil ihres Portfolios, da es Diversifizierung, Kapitalerhalt und Widerstandsfähigkeit bietet, wenn andere Vermögenswerte am anfälligsten sind. Anders als in der Vergangenheit, als Gold unter dem Goldstandard einen offiziell festgelegten Preis hatte, erlaubt das heutige Währungssystem einen freien Goldpreis. Solange die Welt nicht zu einem von Gold gedeckten Währungssystem zurückkehrt, was unwahrscheinlich ist, behalten die Zentralbanken die für die Bewältigung der modernen wirtschaftlichen Komplexität erforderliche politische Flexibilität. Dies stärkt die Rolle von Gold als marktorientierter, politisch unabhängiger Wertspeicher.
2.3 Zentralbanknachfrage und Diversifikation der Reserven
Eine weitere wichtige Veränderung auf dem Goldmarkt ist die sich wandelnde Nachfrage der Zentralbanken. Seit 2010 sind die Zentralbanken der aufstrebenden Volkswirtschaften Netto-Käufer von Gold, wobei das Tempo der Akkumulation in den letzten Jahren zugenommen hat. Dieser Trend wurde 2022 nach dem Einfrieren der russischen Devisenreserven durch westliche Regierungen weiter gefestigt. Gold hat sich wieder als politisch neutrales Reservevermögen etabliert, das immun gegen Sanktionen und unabhängig von einzelnen Währungsräumen ist.

Im Rahmen einer umfassenderen Strategie zur Entdollarisierung haben die Zentralbanken von China, Indien, der Türkei und weiteren Ländern ihre Goldreserven stetig aufgestockt. Diese Käufe sind strategischer und langfristiger Natur. Sie sind nicht durch kurzfristige Spekulationsmotive getrieben, sondern durch das Bestreben, sich weg von US-Staatsanleihen und anderen Reserveaktiva, die mit Kredit-, Währungs- oder politischen Risiken behaftet sind, zu diversifizieren.
Diese Verschiebung der Nachfrage hat zwei wichtige Auswirkungen: Erstens führt sie zu einer stabileren, preisunempfindlichen Nachfragequelle auf dem Goldmarkt. Zweitens spiegelt sie einen umfassenderen Wandel in der internationalen Geldordnung wider. Da das Vertrauen in das US-Dollar-zentrierte System schwindet, gewinnt Gold als grundlegende Reservewährung wieder an Bedeutung, insbesondere für Länder ausserhalb des traditionellen westlichen Blocks, wenn auch nicht ausschliesslich.
2.4 Angebotsengpässe
Während die Nachfrage strukturell steigt, bleibt das Goldangebot beschränkt. Die weltweite Fördermenge ist in den letzten zehn Jahren weitgehend unverändert geblieben. Im Jahr 2024 erreichte die globale Produktion etwa 3'661 Tonnen und lag damit nur geringfügig über dem bisherigen Rekord von rund 3'656 Tonnen aus dem Jahr 2018. Dies deutet darauf hin, dass die Produktion mindestens seit 2018 ihr Plateau erreicht hat, was Diskussionen über eine mögliche „Peak Gold”-Dynamik erneuert hat.
Bedeutende neue Vorkommen sind immer seltener geworden. Zwischen 1990 und 2023 wurden weltweit 350 Lagerstätten mit insgesamt rund 90'200 Tonnen Gold gefunden. Seit 2020 wurden jedoch lediglich fünf grössere Entdeckungen mit einem Gesamtvolumen von nur 530 Tonnen gemeldet – weit unter der durchschnittlichen jährlichen Entdeckungsrate des vorangegangenen Jahrzehnts.
Die Investitionsausgaben im Goldbergbau bleiben weiterhin verhalten, was auf jahrelange Unterinvestitionen und eine zunehmende Fokussierung auf die Einhaltung von ESG-Kriterien zurückzuführen ist. Selbst im Falle weiterer Preissteigerungen ist daher nicht davon auszugehen, dass das Angebot schnell reagieren wird.
Im Gegensatz zu Finanzanlagen kann Gold nicht nach Belieben geschöpft werden. Sein Angebot ist physisch, streng reguliert und verläuft langsam. In einer Welt mit Geld im Überfluss und steigenden geopolitischen Risiken, erhöht die Knappheit des Goldes seine strategische Attraktivität. Die strukturellen Angebotsengpässe verringern zudem die Wahrscheinlichkeit grosser Kursrückgänge, die durch Überproduktion oder Schuldenexzesse ausgelöst werden.
2.5 Geopolitische Spannungen
Letztlich verstärkt der geopolitische Kontext die strategische Attraktivität von Gold. Die globale Ordnung wird multipolarer, mit zunehmenden Spannungen zwischen den Grossmächten. Die wirtschaftlichen und finanziellen Instrumente des Westens – darunter das SWIFT-System, die Märkte für Staatsanleihen und die Finanzregulierung – werden zunehmend als Werkzeuge der Aussenpolitik eingesetzt. Für Länder am Rande oder jenseits westlicher Allianzen wächst der Anreiz, ihr Engagement in politisch anfälligen Vermögenswerten zu reduzieren.

In diesem Umfeld bietet Gold eine Alternative, die allgemein anerkannt, rechtlich stabil und frei von politischen Verflechtungen ist. Es ist eines der wenigen Finanzanlagen, die nicht von der Zahlungsfähigkeit oder dem guten Willen einer Regierung abhängig sind. Für Anlegerinnen und Anleger bedeutet dies auch, dass Gold als Absicherung gegen schwer quantifizierbare oder modellierbare Extremrisiken wie Sanktionen, das Einfrieren von Währungen oder geopolitische Konflikte, dienen kann.
2.6 Geldinflation und Überschussliquidität
Gold reagiert zwar auf Zinssätze, Inflationserwartungen und geopolitische Spannungen, doch wird sein langfristiger Trend auch von der Entwicklung der Geldmenge beeinflusst. Traditionelle Inflationskennzahlen wie der Verbraucherpreisindex (VPI) zeigen nur einen Teil des Gesamtbildes. Im Laufe der Zeit hat sich die monetäre Inflation, definiert als die Ausweitung der effektiven Geldmenge einschliesslich liquider Instrumente wie Staatsanleihen, als ein wichtiger Treiber für die Goldpreise erwiesen.

Ein hilfreicher Analyseansatz besteht darin, das Wachstum der Geldmenge mit dem realen Produktionspotenzial der US-Wirtschaft zu vergleichen. Wenn das Wachstum der Geldmenge dauerhaft das Wachstum der realen Wirtschaftsleistung übersteigt, entsteht ein Liquiditätsüberschuss – eine strukturelle Kraft, die tendenziell Vermögenspreisinflation begünstigt, auch bei Gold. In diesem Umfeld fungiert Gold nicht nur als langfristiger Schutz vor Verbraucherpreisinflation, sondern auch gegen monetäre Verwässerung an sich.
Dieser Ansatz verdeutlicht die Diskrepanz zwischen dem nominalen BIP-Wachstum und der Bilanzvergrösserung der Zen-tralbanken. Alternativ können auch breitere globale Geldmengenaggregate zur Schätzung der Liquiditätseffekte herangezogen werden, auch wenn diese häufig geldähnliche Vermögenswerte (wie Repo-Geschäfte oder Schattenbankinstrumente) ausschliessen.
Die Empfindlichkeit von Gold gegenüber monetären Exzessen ist kurzfristig nicht immer ersichtlich, aber über längere Zyklen hinweg hat es eine starke Korrelation mit ungedecktem Liquiditätswachstum gezeigt, insbesondere in Zeiten aggressiver geldpolitischer Massnahmen und quantitativer Lockerung.
3. Gold als strategischer Vermögenswert: Messung seiner Rolle in Multi-Asset-Portfolios
Gold hat sich als resiliente und strategische Portfoliokomponente über verschiedene monetäre Regime, Regionen und Basiswährungen hinweg erwiesen. Seine Rolle und Wirksamkeit als Diversifikationsinstrument variiert jedoch je nach heimischer Anlagewährung. Im Folgenden untersuchen wir die langfristige Perspektive für Gold in CHF-, EUR- und USD-Portfolios auf der Grundlage von Daten aus mehr als drei Jahrzehnten und quantifizieren, welcher Goldanteil die Portfolioeffizienz in diesem Zeitraum verbessert hätte.

3.1 Methodologie: Portfolioaufbau und Optimierung
Die in diesem Artikel vorgestellten Optimierungsergebnisse basieren auf zwei Ausgangsallokationen: einem ausgewogenen Portfolio mit 50% Aktien und 50% globalen, wechselkursgesicherten Anleihen und einem Wachstumsportfolio mit 83% Aktien und 17% Anleihen. Ausgehend von diesen Startpunkten wird Gold in 2%-Schritten hinzugefügt, wobei sowohl Aktien als auch Anleihen proportional reduziert werden. Beispielsweise führt eine Goldallokation von 10% im ausgewogenen Portfolio zu jeweils 45% Aktien und 45% Anleihen; bei 40% Gold beträgt die verbleibende Allokation 30% Aktien und 30% Anleihen.
Jede Goldallokation wird anhand von drei unterschiedlichen Optimierungszielen bewertet:
• Maximale Sharpe-Ratio: höchste risikobereinigte Rendite über den Zeitraum
• Minimale Volatilität: niedrigste Standardabweichung der Renditen
• Maximale Rendite: höchste jährliche Gesamtrendite, unabhängig vom Risiko
Alle Optimierungen basieren auf Vorsteuerrenditen. Die steuerliche Behandlung wird in dieser Analyse nicht berücksichtigt, aber wie in Abschnitt 2.1 erläutert, würde die Tatsache, dass Gold kein steuerpflichtiges Einkommen generiert, es auf Nachsteuerbasis wahrscheinlich noch attraktiver machen.
3.2 Wie viel Gold ist optimal?
Über alle Währungen und Risikoprofile hinweg verbesserten Goldallokationen deutlich oberhalb der symbolischen 5% die langfristigen Portfolioeigenschaften erheblich. Je nach Zielsetzung waren Allokationen zwischen 20% und 40% optimal.
Die folgende Tabelle fasst die Goldallokation zusammen, die jedes Ziel maximiert hätte.


Wichtige Erkenntnisse nach Währung:
CHF-Portfolios:
Das starke Ergebnis ist angesichts der Währungsstärke der Schweiz überraschend.
Es unterstreicht, dass der Nutzen von Gold nicht von Inflation oder Währungsschwäche abhängt.
Gold schafft Mehrwert durch Unabhängigkeit von Krediten, Politik und Zentralbanken.
EUR-Portfolios:
Der hohe Mehrwert spiegelt das monetäre Regimerisiko im Euroraum wider.
Gold diente als Absicherung gegen die Fragmentierung des Euro und die unkonventionelle Politik der EZB.
Die Ergebnisse bestätigen seine Rolle als strategische Reservewährung und nicht nur als taktische Absicherung.
USD-Portfolios:
Der etwas geringere Mehrwert spiegelt die stärkeren Renditen von inländischen Aktien und Anleihen wider.
Dennoch verbesserte Gold die Ergebnisse in Zeiten grosser Stressphasen (z. B. 2008, 2020).
Optimale Allokationen blieben weiterhin von Bedeutung.
3.3 Diversifikationsvorteile
Die Diversifizierungsvorteile von Gold sind über Währungen, Risikoprofile und Portfolioziele hinweg robust. Seine strukturell geringe Korrelation mit Aktien und Anleihen in Verbindung mit seiner Tendenz, in Zeiten finanzieller Anspannung oder wenn Aktien und Anleihen gleichzeitig negative Renditen erzielen, eine gute Performance zu erzielen, macht Gold zu einem einzigartig wirksamen Portfoliostabilisator.
Dies zeigte sich deutlich im Jahr 2022, als Aktien und Anleihen parallel abverkauft wurden. Im Gegensatz dazu behielt Gold in allen drei Währungen seinen Wert und schützte damit Multi-Asset-Portfolios vor schwereren Verlusten.
Unsere Analyse bestätigt Folgendes:
Gold reduziert Wertverluste: Portfolios mit wesentlichen Goldallokationen verzeichneten in Zeiten grosser Krisen deutlich geringere Verluste vom Höchst- zum Tiefststand (ohne dabei wesentlich an Rendite einzubüssen).
Die Sharpe-Ratios verbessern sich: In CHF-, EUR- und USD-Portfolios kann die Einbeziehung von Gold die Sharpe-Ratio je nach Währung und Portfoliotyp um 20% bis 25% erhöhen.
Der Diversifizierungsvorteil gilt über die Währungssysteme hinaus: Selbst in stabilen Währungsregimen wie dem der Schweiz hat Gold den Portfoliowert erheblich gesteigert.
Wichtig ist, dass sich die Auswirkungen sowohl bei ausgewogenen als auch bei wachstumsorientierten Strategien zeigen. Die Verbesserung der Portfolioqualität, gemessen an Rendite, Volatilität oder Drawdown-Kennzahlen, ist zu bedeutend, um ignoriert zu werden. Gold ist nicht nur eine Absicherung gegen Inflation oder Währungsschwäche, sondern ein strukturell diversifizierender Vermögenswert mit anhaltender globaler Relevanz.
Die Optimierungsmethodik ist zwar robust, dennoch müssen gewisse Einschränkungen berücksichtigt werden: Die Ergebnisse basieren auf historischen Rendite-, Volatilitäts- und Korrelationsschätzungen, die mit einem Schätzungsrisiko behaftet sind. Darüber hinaus können sehr hohe Goldallokationen, obwohl sie innerhalb der Stichprobe optimal sind, in der Praxis institutionellen Beschränkungen oder Liquiditätsaspekten unterliegen.
4. Zusammenfassung
Die strategischen Argumente für Gold sind stärker als allgemein anerkannt. Eine Reihe langfristiger struktureller Faktoren, darunter hohe Staatsverschuldung, Inflationsunsicherheit, zunehmende geopolitische Fragmentierung und die schrittweise Umgestaltung des internationalen Währungssystems, stützen weiterhin die Nachfrage nach Gold als Sachwert. Gleichzeitig ist das Angebot eingeschränkt, und die institutionellen sowie privaten Allokationen bleiben mit oft deutlich unter 5% moderat.
Die Ergebnisse liefern auch eine tiefere strategische Erkenntnis: Gold kann als teilweises Substitut für traditionell risikoarme Vermögenswerte wie globale Anleihen dienen. Im Optimierungsrahmen behielten Portfolios mit 30-40% Goldallokation weiterhin akzeptable Risikoprofile bei, Während der Anteil an Anleihen deutlich reduziert wurde. Dies spiegelt die Fähigkeit von Gold wider, durch geringe Korrelation und solide Krisenperformance zur Portfoliostabilität beizutragen – ohne auf Erträge oder die Solvenz von Emittenten angewiesen zu sein. In einer Welt, in der die Diversifizierungsfunktion von Staatsanleihen zunehmend in Frage gestellt wird, erhöht diese Eigenschaft die Attraktivität von Gold als Kernanlage statt als periphere Absicherung.
Unsere empirischen Ergebnisse (Zeitraum 1990 bis 2025) zeigen, dass:
Gold über CHF-, EUR- und USD-Portfolios hinweg starke absolute und relative Renditen erzielt hat.
Die optimale Allokation variiert je nach Referenzwährung, Risikoprofil und Anlageziel. In den meisten Konstellationen zeigt sich ein klarer Nutzen einer Goldbeimischung.
Die Auswirkungen auf Maximalverluste und risikobereinigte Renditen erheblich sind, insbesondere bei längeren Anlagehorizonten.
Diese Ergebnisse werden nicht von kurzfristigen taktischen Dynamiken getrieben. Sie spiegeln die strukturellen Eigenschaften von Gold wider: geringe Korrelation, asymmetrische Performance in Krisenzeiten und Unabhängigkeit von Geld- und Kreditsystemen. Der fehlende Cashflow von Gold erklärt auch, warum es von vielen in der Finanzbranche nach wie vor unterschätzt wird. Traditionelle Bewertungsinstrumente wie Discounted Cashflow (DCF) oder ertragsbasierte Modelle sind schlicht nicht anwendbar. Diese analytische Diskrepanz trägt zu seiner Marginalisierung in Investitionsfragen bei und erklärt, warum einige Ökonominnen und Ökonomen es immer noch als "barbarisches Relikt" einer vormodernen Ära betrachten. Doch gerade diese Absenz von Cashflows macht Gold strukturell unabhängig von Konjunkturzyklen, der Solvenz von Emittenten und der Glaubwürdigkeit der Geldpolitik. In einer Welt, in der die meisten Vermögenswerte Finanzforderungen sind, liegt der Wert von Gold gerade in seiner Unabhängigkeit.
Trotz dieses Profils ist Gold in vielen Portfolios nach wie vor unterrepräsentiert. Dies liegt nicht an einem Mangel an Evidenz, sondern an der Art und Weise, wie Gold dargestellt wird: als Absicherung, als Versicherungspolice oder als Anlage der letzten Wahl. Eine solche Darstellung schränkt die Allokationen ein. Investierende zögern, etwas als defensiv geltendes "überzugewichten", selbst wenn die Daten darauf hindeuten, dass grössere strategische Allokationen die Portfolioqualität verbessern würden.
Diese Sichtweise ist überholt. Gold sollte nicht mehr ausschliesslich als Absicherung oder spekulativer Rohstoff betrachtet werden. Es ist besser als eigenständige strategische Anlageklasse neben Aktien, Anleihen, Immobilien und anderen alternativen Anlageklassen zu verstehen. Seine Rolle besteht nicht darin, traditionelle Anlagen zu ersetzen, sondern sie durch ein grundlegend anderes Rendite- und Risikoprofil zu ergänzen.
In einer Welt, in der die traditionelle Diversifizierungsfunktion von Anleihen zunehmend in Frage gestellt wird, bietet Gold seltene und beständige Vorteile: unkorrelierte Erträge, asymmetrischen Schutz und eine robuste Performance über Währungen und monetäre Regimes hinweg.
Die gängige Praxis, das Goldengagement auf 5% oder weniger zu begrenzen, ist zunehmend schwerer zu rechtfertigen. Gold ist weit mehr als nur eine Versicherung gegen Extremszenarien. Es ist ein grundlegender Baustein moderner strategischer Vermögensarchitektur und kein Relikt aus der Vergangenheit.
Autor:
Frank Häusler
Disclaimer
Bei den in unserer Analyse verwendeten Kursen handelt es sich um Schlusskurse des jeweiligen Zeitraumes. Die unseren Bewertungsmodellen zu Grunde liegenden Zahlen sind datumsbezogene Schätzungen und somit mit Risiken behaftet. Diese können sich jederzeit ohne Ankündigung ändern. Die Verwendung von Bewertungsmodellen schliesst das Risiko nicht aus, dass faire Bewertungen über einen genannten Anlagezeitraum nicht erreicht werden. Eine unübersehbare Vielzahl von Faktoren hat Einfluss auf die Kursentwicklung. Unvorhersehbare Änderungen können sich zum Beispiel aus technologischen Entwicklungen, aus gesamtkonjunkturellen Aktivitäten, aus Wechselkursschwankungen oder aus Änderungen gesellschaftlicher Wertvorstellungen ergeben. Diese Erörterung von Bewertungsmethoden und Risikofaktoren erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Das vorliegende Dokument dient zu Informations- und Werbezwecken.
Wissen, das Orientierung gibt
Alle Artikel
Alles dreht sich um Schulden
Artikel lesen
Mehr als ein Hedge: Warum Gold eine strategische Rolle verdient
Artikel lesen
An US-Aktien führt auch in Zukunft kein Weg vorbei
Artikel lesen
Anlegen aus dem Safe Haven Schweiz
Artikel lesen
US-Haushaltsplan: Wachsende Defizite rücken Gold und Bitcoin in den Fokus
Artikel lesen